Mit 25, nach einem Jura-Studium und einem Intermezzo bei der Staatsanwaltschaft, begann sein schneller Aufstieg bei der SPD. 1978 wurde Scherf als Finanzsenator erstmals Regierungsmitglied – und blieb seitdem ununterbrochen am Ball, so lange wie kein anderer Politiker. In allen möglichen Funktionen, seit 1995 schließlich als Präsident des Senats, also Bürgermeister. Scherf heiratete, gründete eine Familie, und dann kam der Tag, an dem die Kinder aus dem Haus waren. - So weit, so normal. Doch unterscheiden sich die Lebensumstände des Bremer Bürgermeisters a. D. von denen anderer Polit-Pensionäre. Er und seine Frau fragten sich, wie es weitergehen soll. Im Freundeskreis kam man schließlich auf die Idee, dass man doch zusammenziehen könne, 18 Leute waren am Anfang Feuer und Flamme. Eine geeignete Liegenschaft wurde gesucht, es fand sich eine alte Villa im Bahnhofsviertel, eigentlich ein Spekulationsobjekt. Scherf und seine Mitbewohner kauften sie und bauten sie um. Die Kinder tippten sich indessen an die Stirn und nannten ihre Eltern „postpubertäre Romantiker“. Für seinen unkonventionellen Stil erlangte Henning Scherf als Politiker überregionale Berühmtheit. Bürgermeister sind immer auch Vaterfiguren, und Henning Scherf war einer dieser Väter, die ihre Autorität dadurch gewinnen, dass sie bei allem mitmachen. Er übernachtete bei Hausbesetzern und nahm an den Demonstrationen gegen die Pershing II-Basis in Mutlangen teil. Er trat als Klaviersolist auf und stand vor Fußballspielen seines SV Werder Bremen geduldig am Eingangstor mit den Fans Schlange. Er taufte sein Kajak „Adelante!“ („Vorwärts!“) und ging eine Zeit lang als Kaffeepflücker nach Nicaragua. Zur Arbeit fuhr er mit dem Fahrrad.



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